Barcelona

Barcelona
Bar|ce|lo|na [bart̮se…, barse…; span.: barθe'lona]:
Stadt in Nordostspanien.

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Barcelona,
 
1) [spanisch -θe-, katalanisch -sə-], Hauptstadt Kataloniens und zweitgrößte Stadt Spaniens, Provinzhauptstadt und kulturelles Zentrum Kataloniens, 1,505 Mio. Einwohner; bedeutende Handels-, Industrie- und Hafenstadt, liegt zwischen Küstenkette und Mittelmeer, zwischen der Bewässerungsebene des Llobregat im Süden und dem Trockenbett des Besós im Norden, deren Täler die Küstenkette durchbrechen. Barcelona hat eine hervorragende Verkehrslage, hier laufen die Verkehrslinien vom Landesinnern und der Südostküste zusammen und führen am Ostrand der Pyrenäen nach Frankreich.
 
Erzbischofssitz; zwei Universitäten (1450 und 1968 gegründet), technische Hochschulen, Business School; größtes Theater und Opernhaus Spaniens (Liceo, 1994 bei einem Brand zerstört, Wiederaufbau 1995 ff. und Wiedereröffnung 1997 geplant), Museen (u. a. für Zeitgenössische Kunst; Archäologie, Picasso-, Miró-, Gaudí-Museum); Aquarium mit 8 000 Meerestieren (300 Arten); zwei Stierkampfarenen. 1992 Austragungsort der XXV. Olympischen Sommerspiele.
 
Der künstliche Hafen im Süden der Fischervorstadt Barceloneta mit dem Wahrzeichen der 68 m hohen Kolumbussäule und den Atarazanas (größte mittelalterliche Schiffswerft der Erde, 1378 erbaut; Marinemuseum) gehört zu den Haupthäfen des Mittelmeers. Er wird beherrscht vom Castillo de Montjuich (17./18. Jahrhundert). Auf dem Montjuich (175 m über dem Meeresspiegel) befinden sich mehrere Museen, das für die Weltausstellung 1929/30 angelegte »Spanische Dorf« (Pueblo Español) mit Repliken charakteristischer Bauten aus allen Teilen Spaniens sowie zahlreiche Sportstätten der Olympiade von 1992.
 
 
Stadt und Hinterland haben eine vielfältige Industrie: Textil-, Metall-, Druck- und Papierindustrie, Kraftfahrzeug- und Schiffbau.
 
Verkehr:
 
Barcelona hat ein U-Bahn-Netz, dessen erste Strecke 1924 in Betrieb genommen wurde und das weiterhin ausgebaut wird. Im Llobregatdelta befindet sich der internationale Flughafen Prat (katalanisch Prats), der 1991 erweitert wurde (Architekt: R. Bofill).
 
 
Aus römischer Zeit sind Reste der einstigen Stadtmauer (4. Jahrhundert) erhalten. Der älteste Kern Barcelonas, das »Gotische Viertel« (Barrio Gótico) mit vielen alten Häusern und Palästen (u. a. Rathaus, 14. Jahrhundert; Palacio del Lugarteniente, 16. Jahrhundert, heute Archiv der Krone von Aragonien; Palacio de la Diputación, 15. Jahrhundert, heute Palacio de la Generalidad, Sitz der autonomen Regierung von Katalonien), erstreckt sich rings um die anstelle eines romanischen Vorgängerbaus errichtete dreischiffige Kathedrale (1298-1448) mit gotischem Kreuzgang (14./15. Jahrhundert), neugotische Westfassade (1898) und Kuppelturm (1913). Der Palacio Real (14.-18. Jahrhundert) ist mit der gotischen Kapelle Santa Águeda (Anfang 14. Jahrhundert, Altarretabel von J. Huguet) verbunden; der Tinellsaal (1359-70, ehemaliger königlicher Festsaal) hat sechs Rundbogen und eine Mirador del Rey Martín genannte fünfgeschossige Galerie. Der Bischöfliche Palast (Innenhof mit zwei romanischen Rundbogengalerien), schon 926 urkundlich erwähnt, älteste erhaltene Teile aus dem 12. und 13. Jahrhundert sowie aus dem 15. Jahrhundert, wurde im 19. und 20. Jahrhundert erneuert. Die Kirche San Pedro de las Puellas (10. Jahrhundert) wurde ebenfalls im 20. Jahrhundert restauriert. - Weitere Bauwerke: Romanische Kirche San Pablo del Campo (10. Jahrhundert, 1120 ausgebaut), dreischiffige Kirche Santa María del Mar (1329-83, mit Chorumgang und prächtiger Fensterrose), Palast der Vizekönigin (1773-76), Lonja (die Börse, 18. Jahrhundert, erbaut um den noch vollständig erhaltenen gotischen Börsensaal, 1386). Bedeutendster moderner Sakralbau ist der von A. Gaudí entworfene Templo de la Sagrada Familia (1883 ff., noch unvollendet). Die ebenfalls von Gaudí geschaffenenen Bauten: Casa Milá (1905-10), Palais Güell (1885-89) und Park Güell (1910-1914) wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. - Barcelonas schachbrettartig angelegte Neustadt besteht aus regelmäßigen, vielstöckigen, an den Ecken meist abgestumpften Baublöcken. Zentren städtischem Lebens sind die »Ramblas«, breite Platanenalleen mit Blumen- und Vogelmärkten. Im Rahmen des Stadterneuerungsprogramms in den 1980er- und 90er-Jahren entstanden rd. 60 neu gestaltete Anlagen, deren Charakter von Objekten bekannter Künstler (J. Miró, A. Tàpies, E. Chillida, R. Serra) geprägt wird. Im Rahmen des Bauprogramms anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1992 wurde das Stadion der Weltausstellung von 1929/30 erweitert und das olympische Dorf als Teil des Ausbauprojekts der gesamten Küstenregion der Stadt angelegt. Arata Isozaki entwarf die olympische Sportstätte »Palais San Jordi« auf dem Montjuich (1983-90 ausgeführt). Die Umgestaltung des alten Hafens erhält mit Bauten nach Entwürfen von Albert Viaplana und Helio Piñón hervorragende architektonische Akzente. Zu den zahlreichen Neubauten gehören des weiteren der originalgetreu wieder errichtete Weltausstellungspavillon von L. Mies van der Rohe (1929; 1984-86), die Anlage der Plaza del Universo (1991) am Messegelände, die Brücke an der Straße Felipe II. über die Nordbahn (1984-87; S. Calatrava), das Museum für Zeitgenössische Kunst (1990 ff., 1995 eröffnet; R. A. Meier), der Fernmeldeturm (1989-92; Lord N. Foster), das Kulturzentrum (1994 eröffnet; Entwurf von Viaplana und Piñón) und das World Trade Center (1999 eröffnet; von dem New Yorker Architektenteam I. M. Pei, Henry Cobb, James Ingo Freed & Partners).
 
 
Die ersten (iberischen) Ansiedlungen sind für 2000-1500 v. Chr. bezeugt; seit 218 v. Chr. als Barcino römisch (seit Augustus als Colonia Iulia Augụsta Favẹntia Patẹrna Barcino); spätantike Namensformen: Barcinona, Barcelonach 415 wurde die Stadt von den Westgoten erobert, war zeitweilig deren Hauptstadt, wurde 717/718 von den Arabern eingenommen und 801 von den Franken zurückerobert. Diese machten Barcelona 803 zur Hauptstadt der Spanischen Mark. Seit 874 waren die Grafen von Barcelona unabhängig. Vorübergehend wieder maurisch, wurde Barcelona 1137 mit Aragonien vereinigt und entwickelte sich seitdem zu einer blühenden Handelsstadt. Es wurde eines der bedeutendsten Bankzentren Europas und exportierte spanische Wolle und Metalle. Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts ging der katalanische Handel zurück und wurde durch die überseeischen Entdeckungen, die den Häfen Sevilla und Cádiz eine Monopolstellung einbrachten, weiter geschädigt. Im Spanischen Erbfolgekrieg aufseiten des österreichischen Erzherzogs Karl, wurde Barcelona von Truppen Philipps V. erobert und verlor seine Sonderrechte (»fueros«). 1808-14 war es von den Franzosen besetzt. Es unterstützte die Karlisten und wurde daher immer wieder in die Bürgerkriege hineingezogen.
 
Mit dem Aufstieg zur größten Industriestadt Spaniens im 19. Jahrhundert wurde Barcelona zum Sammelpunkt republikanischer, sozialistischer und anarchistischer Strömungen, ferner - als Zentrum der katalanischen Renaissance - von Autonomie- und Unabhängigkeitsbestrebungen. 1909 wurde hier ein Aufstand gegen die spanische Kolonialpolitik in Marokko blutig niedergeworfen (»Tragische Woche«). Mit dem Autonomiestatut für Katalonien (1932; suspendiert 1934-36; außer Kraft gesetzt 1939) wurde Barcelona Hauptstadt der autonomen Provinz Katalonien. Im Zuge des Demokratisierungsprozesses (seit 1977) erhielt es diese Funktion im Rahmen der autonomen Region Katalonien erneut.
 
 
C. Carrère: Barcelone, centre économique, à l'époque des difficultés, 1380-1462, 2 Bde. (Den Haag 1967);
 R. Ferras: Barcelone. Croissance d'une métropole (Paris 1978);
 U. Lindgren: Bedürftigkeit, Armut, Not. Studien zur mittelalterl. Sozialgeschichte B.s (1980);
 F. R. Allemann u. X. von Bahder: Katalonien u. Andorra (31985);
 
B. Architektur u. Städtebau zur Olympiade 1992, bearb. v. O. Bohigas u. a., übers. v. J. Zajak-Wernicke (1991);
 P. Dutli u. a.: Neue Stadträume in B. (1991);
 
B., hg. v. R. von Bitter, Beitrr. v. O. Bohigas u. a. (1992).
 
 2) [spanisch -θe-, katalanisch -sə-], Provinz in Katalonien, 7 733 km2, mit 4,67 Mio. Einwohner volkreichste Provinz Spaniens; hat Anteil am Katalonischen Gebirge und am Ebrobecken. Die Mittelmeerküstenzone mit Sandstränden, dem Delta des Llobregat und Schwemmlandebenen an der Costa Levantina ist touristisch stark entwickelt, hat ein gut ausgebautes Verkehrsnetz und um Barcelona und Badalona bedeutende Industrie. Nördlich davon erstreckt sich das gebirgige Binnenland mit den Flusstälern von Llobregat, Ancia und Foix und der Faltenmulde des Katalonischen Längstales. Hier liegen die Industriestädte Sabadell, Tarrasa, Manresa und Igualada. Im Norden erstreckt sich die Provinz bis in die dünn besiedelten Vorpyrenäen und Pyrenäen (Sierra del Cadí) mit Stauseen und Wintersportgebieten. Infolge der Gebirgsumrahmung hat Barcelona milde Winter (im Januar durchschnittlich 9-11 ºC) und mäßig heiße Sommer (im August 24-25 ºC) sowie relativ hohe Niederschläge (Küste 600 mm, Vorpyrenäen 1 000 mm jährlich). Alte Haufendörfer und junge Einzelhöfe liegen an der Küste in weiten Bewässerungskulturen (Gemüse, Obst, Blumen), im Binnenland in Fruchtbaumhainen, Getreide- und Rebflächen. Durch die vielseitige Wirtschaftsstruktur (industrielle Entwicklung seit etwa 1830), die günstige Verkehrslage und die hohe Bevölkerungszahl ist Barcelona zum bedeutendsten Industrierevier Spaniens geworden, wobei allerdings seit jüngster Zeit die einheimischen Katalanen nach Kapitalaufkommen und Beschäftigtenzahl in der Minderheit sind.
 
 3) [-se-], Hauptstadt des Bundesstaats Anzoátegui, Venezuela, 311 500 Einwohner; Bischofssitz;
 
 
Maschinen- und Elektroindustrie, Fahrzeugbau.
 
Verkehr:
 
Barcelona bildet mit dem nahen Erdölhafen Puerto La Cruz eine städtische Agglomeration (455 000 Einwohner).
 
 
Barcelona, früher Nueva Barcelona, wurde 1634 einige Kilometer landeinwärts gegründet und 1671 an die heutige Stelle verlegt.
 

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Bar|ce|lo|na [bartse..., barse...; span.: barθe'lona]: Stadt in Nordostspanien.

Universal-Lexikon. 2012.

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